Flugverkehrskontrolle

Aus PASSAGIERRECHTE
Wechseln zu: Navigation, Suche

Flugverkehrskontrolle ist eine Teildisziplin der Flugsicherung und bezeichnet die Arbeit der Fluglotsen, die für die Leitung der Flugzeuge am Boden und in der Luft verantwortlich sind. Sie Planen alle Bewegungen der Flugzeuge so, damit Zusammenstöße vermieden werden und der gesamte Flugverkehr flüssig, organisiert und schnell vonstatten gehen kann.
Die Vermeidung von Zusammenstößen wird dadurch möglich, dass vertikal und horizontal Mindestsicherheitsabstände eingehalten werden. Darüber hinaus werden viele Flugzeuge mit Kollisionswarnsystemen ausgestattet, die den Piloten warnen, wenn ein Objekt dem Flugzeug gefährlich nahe kommt.
Als Nebenaufgabe sammeln und übermitteln Fluglotsen Informationen für Piloten, wie Wetterdaten oder Navigationsinformationen. Die Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten kann durch Anweisungen erfolgen, die vom Piloten zwingend zu befolgen sind, und einfachen Informationen, die er nur zur Kenntnis nimmt. In letzter Konsequenz darf der verantwortliche Pilot von den Anweisungen der Flugverkehrskontrolle abweichen, wenn es in Notfällen gerechtfertigt ist.
Die offizielle Sprache der Luftfahrt ist Englisch, es kommt aber auch vor, dass auf nationaler Sprache kommuniziert wird.

Flugplatz

Die Beobachtung der Geschehnisse auf den Start- und Landebahnen, Rollfeldern und in der direkten Umgebung des Flughafens findet durch Sichtkontrolle vom Kontrollturm aus statt. Towerlotsen leiten Bodenfahrzeuge und Flugzeuge, die sich im flughafennahen Luftraum befinden. Zusätzlich stehen den Lotsen oft Radargeräte zur Verfügung. Diese stellen eine digitale Karte mit am Verkehr beteiligten Flugzeugen dar und zeigen solche Daten, wie Geschwindigkeit, Flugrichtung und -höhe und Rufzeichen an.
Die Aufgaben der Flugplatzkontrolle können in folgende Bereiche unterteilt werden:
Rollkontrolle
Der Rollkontrolle unterliegen die Rollbahnen sowie das Rollfeld, nicht mehr genutzte Start- und Landebahnen sowie weitere Betriebsflächen. Die Kontrolle dieser Bereiche geschieht dadurch, dass keine Personen das Gelände betreten, keine Flug- und Fahrzeuge die Bahnen und Felder befahren dürfen, ohne vorher die Genehmigung der Rollkontrolle über Funk oder in sonstiger Weise erhalten zu haben. Wenn keine Funkverbindung vorhanden ist, können auch Lichtsignale verwendet werden.
Platzkontrolle
Die Platzkontrolle ist verantwortlich für Abflüge und Landungen. Die Voraussetzung für den sicheren und gefahrenfreien Ablauf ist die Einhaltung der Mindestsicherheitsabstände. Bei Unsicherheit wird keine Landeerlaubnis erteilt, sondern Flugzeuge werden angewiesen, sich erneut in den Anflug anzureihen.
Die Verantwortlichen der Rollkontrolle und der Platzkontrolle müssen ihre Entscheidungen und Handlungen ständig aufeinander abstimmen. Der eine Bereich muss vom anderen eine Genehmigung einholen, wenn Fahrzeuge oder Personen in seiner Zuständigkeit den anderen Bereich betreten müssen.
Flight Data/Clearance Delivery
Die Aufgabe der clearance delivery, oder Freigabe, ist es, die Streckenverfügbarkeit für die startenden Flugzeuge zu prüfen und die Freigabe samt Informationen über die Strecke an die Piloten zu übermitteln. Die Informationen werden in Koordination mit überregionalen Bezirkskontrollstellen aufbereitet. Bei ungünstigen Wetterbedingungen oder zu hoher Verkehrsdichte können Abflugzeiten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben sowie die Flugstrecke geändert werden. Clearance delivery muss sicherstellen, dass die neue Zeit und Route korrekt an alle Flugzeuge übermittelt werden. Auch dieser Bereich muss für den sicheren und korrekten Ablauf mit Platz- und Rollkontrolle koordinieren. Darüber hinaus hat die Freigabe die Funktion, Flugzeuge mit aktuellen Informationen über jegliche Änderungen im normalen Verlauf zu versorgen.
Anflugkontrolle
Im Zuständigkeitsbereich der Anflugkontrolle liegen alle Flüge, die von einem Flughafen abfliegen, ihn anfliegen oder den Luftraum über den Flughafen passieren. Die Anflugkontrolle befindet sich in einer flugplatzeigenen Radarkontrollstelle. Mehrere Flughäfen können sich eine Radarkontrollstelle teilen, wenn sie sich in der Nähe befinden. Das Umland, das in den Kontrollbereich einer Stelle fallen kann, unterscheidet sich je nach Größe des Flughafens und des umliegenden Gebietes. Anfluglotsen übernehmen sämtliche Flugsicherungsaufgaben in dem ihnen zugeordneten Gebiet und geben Flüge an die benachbarte Stelle weiter, sobald das Flugzeug den entsprechenden Luftraum verlassen hat.

Strecken

Streckenkontrolle unterstützt die Piloten während des Fluges zwischen den Flughäfen. Piloten erhalten verbindliche Anweisungen je nach dem Verfahren, mit dem sie fliegen – Sichtflug oder Instrumentenflug.
Der Arbeitsplatz der Streckenkontrolle nennt sich Area Control Center (ACC), auch Center genannt. Der Luftraum, für den eine Streckenkontrollstelle verantwortlich sein kann, ist um Vielfaches größer, als zum Beispiel der Luftraum der Anfluglotsen, und kann viele Tausend Quadratkilometer umfassen. Diese Lufträume werden als Fluginformationsgebiete (englisch: Flight Information Region (FIR)) bezeichnet. In Deutschland gibt es 3 untere und 2 obere FIR's – FIR Langen, FIR Bremen, FIR München, UIR (Upper flight information region) Rhein und UIR Hannover.
Centerlotsen sind für die Überwachung und Leitung der Flugzeuge zuständig, während diese auf die zugewiesene Flughöhe steigen, unter Beachtung der Regeln der Staffelung. Die Route muss auf den übrigen Verkehrsfluss abgestimmt werden. Centerlotsen sind auch für den Anflugvorgang zuständig.
Centerlotsen benutzen bei ihrer Arbeit Langstreckenradare, die Flugzeuge in größerer Höhe und Entfernung beobachten können. Um Lücken zu vermeiden, können einzelne Radars zu einem System gebündelt werden. Dies ist in den USA üblich.
Auch der Luftraum über den Ozeanen wird überwacht, jedoch nicht mit Radars, sondern mit anderen, speziell dafür entwickelten Methoden.

Herausforderungen

Aufgrund des Zuwachses des internationalen Luftverkehrs stehen alle Flughäfen täglich vor der Herausforderung, die Abläufe so zu harmonisieren, dass sie hinsichtlich der Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Sicherheit optimal sind. Die Flugverkehrskontrolle spielt im täglichen Betrieb des Flughafens eine entscheidende Rolle. Ein anfliegendes Flugzeug benötigt etwa 4 Minuten, um zu landen und die Landebahn wieder zu verlassen, bevor die nächste Maschine landen kann. Wenn Fluggesellschaften mehr Anflüge auf einen Flughafen tätigen wollen, als seine Kapazitäten es erlauben, kann es zu Problemen kommen. Flugverspätungen können dazu führen, dass mehrere Flugzeuge gleichzeitig anfliegen und landen wollen oder müssen. In solchen Fällen müssen Flugzeuge in einem fest begrenzten Luftraum eine Warteschleife fliegen, bis sie bedenkenlos zur Landung ansetzen können. Moderne Technik ermöglicht es, den Verkehr weit im Voraus so zu planen, dass die Warteschleifen durch Anpassung der Fluggeschwindigkeit oder der Abflugzeit der nächsten Maschinen möglichst vermieden oder verkürzt werden.
Ungünstige Wetterbedingungen können die Arbeit des Flughafens erheblich beeinträchtigen, was in Verspätungen verschiedener Dauer resultieren kann. Eis, Schnee, Regen und Nebel können dazu führen, dass Flugzeuge eine längere Zeit brauchen, um sicher zu landen. Dies kann wiederum Abflugverspätungen verursachen.
Bei Gewitter müssen Flugzeuge umgeleitet werden. Das führt zur Verkleinerung der verfügbaren Lufträume und Verkürzung der Mindestsicherheitsabstände. Den Routen droht infolge der Umleitung die Überbelastung. Auch Abflugverspätungen können wegen Gewitter vorkommen, wenn es sich auf der geplanten Flugstrecke befindet.

Links

Luftverkehrsgesetz

Siehe auch

Flugbegleiter
Codesharing
Luftfahrt-Drehkreuz