Hotelschiff

Aus PASSAGIERRECHTE
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Unter einem Hotelschiff versteht man die Nutzung eines Passagierschiffes als Hotel. Das Schiff bleibt dann meisten über die Nacht an einem Ort und fährt am Tag wieder zur nächsten Destination.

Allgemeines

Hotelschiffs können dann eingesetzt werden, wenn in einer Region eine große Veranstaltung, zum Beispiel eine Messe oder ein Kongress, bevorsteht und Hotelkapazitäten voraussichtlich knapp werden. So können Hotelschiffe vorhandene Bestände auf flexible Weise erweitern. In Deutschland kommen Hotelschiffe während der Messen in Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Nürnberg und Hannover zum Einsatz.
Die Anleger werden oft in der Nähe des Stadtzentrums platziert. Während der großen Messen in Düsseldorf, solchen wie Drupa oder Medica können dort bis zu 40 Schiffe angelegt werden, um alle Besucher der Fachmessen unterzubringen.
Flusskreuzfahrtschiffe werden als Hotelschiffe periodisch und nur für kurze Zeit verwendet. Schiffseigner und große Reedereien finden diese Verwendung der Flusskreuzfahrtschiffe besonders attraktiv, da die Schiffe nicht in die wärmeren Gebiete transportiert werden, wie es bei Tiefseekreuzfahrten der Fall ist. Folglich können Flusskreuzfahrtschiffe auch außerhalb der Saison effizient eingesetzt werden. Die Hauptdurchgangsstraßen für Flusskreuzfahrten in Europa sind die Flüsse Rhein, Main, Donau und Elbe. Da auch viele Großstädte an diesen Flüssen liegen, stellen die Gegenden ein besonderes wirtschaftliches Interesse für Hotelschiffbetreiber.
Da die Hotelschiffe für längere Kreuzfahrten konzipiert sind, entspricht ihre Ausstattung oft auch den gehobenen Ansprüchen. Sie haben alle Merkmale, die auch gewöhnliche Hotels haben, von der Zimmerausstattung bis hin zum Service. Gäste können alle Einrichtungen auf dem Schiff wie Bars, Restaurants, Fitness- und Spa-Bereiche in Anspruch nehmen.

Geschichte

Die Idee, Kreuzfahrtschiffe vorübergehend als Hotels zu nutzen, entstand in Frankfurt in den 70er Jahren. Während der internationalen Fachmessen konnte die Nachfrage nach guten Hotelzimmern nicht gedeckt werden. Die Frankfurter Hafengesellschaft bat Liegeplätze für Hotelschiffe an der Nizza-Werft an, welche heute immer noch für diese Zwecke genutzt wird.
In den letzten Jahren ist der Markt für Kreuzfahrten in Deutschland enorm gewachsen. Allgemeiner wirtschaftlicher Aufstieg in den letzten 20 Jahren begünstigte diese Tendenz. Der erhöhte Reisekomfort der Schiffe und die Möglichkeit, auch kurze Ausflüge in Form von Flusskreuzfahrten machen zu können, führten dazu, dass sich Kreuzfahrten immer größerer Beliebtheit erfreuten. Die Veranstalter für Kreuzfahrten haben ihre Bestände vergrößert, sodass auch mehr freie Kapazitäten für Hotelschiffe geschaffen wurden.
Die Preispolitik der festen Hotels während der großen Messeveranstaltungen führte dazu, dass die Besucherzahlen der Messen immer weiter abnahmen, weil eine Übernachtung in der Stadt nicht erschwinglich war. Selbst wenn Besucher mit günstigen Flügen oder Bahntickets angelockt wurden, konnten sie nur einen Tag auf der Messe bleiben und reisten am Abend wieder ab. Hotelschiffe wirken dieser Erscheinung entgegen und tragen dazu bei, dass angesehene Messeveranstaltungen sich weiterhin großer Beliebtheit erfreuen.

Andere Formen

Botel

Ein Botel ist ebenfalls ein Hotelschiff, das jedoch einige Unterschiede zu den temporär und bedarfsgerecht eingesetzten Schiffen aufweist. Das Schiff wird in diesem Fall dauerhaft an einem Standort gelegt und durchgehend als gewöhnliches Hotel genutzt. Die Schiffe für Botels können entweder unmittelbar für diesen Zweck hergestellt worden sein, oder aus den alten neu eingerichteten Passagierschiffen gemacht werden. Die Räume werden in der Regel, genau wie bei festen Hotels, als Zimmer bezeichnet, und nicht als Kabinen.
Die Ausstattung der Zimmer auf Botels gleicht hinsichtlich des Komforts den Zimmern in normalen Hotels. Oft bieten sie jedoch nicht den vollen Service an, sondern nur Übernachtung mit Frühstück.
Der Begriff Botel setzt sich aus den Wörtern Boot und Hotel zusammen.

Wohnschiff

Wohnschiffe dienen als temporäre Beherbergung. Im Gegensatz zu Hotelschiffen und Botels sind sie weniger komfortabel und sollen nur ihren unmittelbaren Zweck erfüllen. So wurden beispielsweise bei den Olympischen Sommerspielen in Athen im Jahr 2004 mehrere Schiffe mit dieser Absicht eingesetzt. Heute sind Wohnschiffe nur selten anzutreffen.

Siehe auch

Camping
Campingplatz
Reisemobil-Stellplatz