Luftfahrt-Drehkreuz

Aus PASSAGIERRECHTE
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Ein Luftfahrt-Drehkreuz ist ein Flughafen, der einer oder mehreren Fluggesellschaften als Umsteigeflughafen zwischen Flugstrecken verschiedener Längen und Richtungen dient. Oft sind das große Verkehrsflughäfen mit vielen Terminals, die Größe bzw. der Umfang ist jedoch kein zwingendes Merkmal für ein Drehkreuz. Die englische Bezeichnung (Air)Hub wird auch angetroffen.

Allgemeines

Ein Luftverkehrsknotenpunk bezieht sich im allgemeineren Sinne auf eine Vielzahl von Flugstrecken und Fluggesellschaften, die Verbindungen zu einem Flughafen haben. Im Gegensatz dazu bedeutet ein Drehkreuz, dass Verbindungen nur einer Fluggesellschaft oder einer Airline-Allianz betrachtet werden. Es gibt jedoch keine eindeutige Definition des Begriffes oder dessen rechtliche Regelung. Ein wesentliches Merkmal eines Drehkreuzes ist die Einbeziehung des Flughafens in die Netzplanung einer oder mehreren kooperierenden Fluggesellschaften. Dementsprechend sollte es mehrere Umstiegsmöglichkeiten und Zubringerflüge zwischen den Flügen derselben Fluggesellschaften geben. Der Umstieg wird dann so geplant, dass die Wartezeit zwischen den Flügen möglichst kurz gehalten wird. Diese Verbindungen müssen im Flugplan der Fluggesellschaft entsprechend so eingetragen werden, dass es ersichtlich ist, dass es sich um einen Flug mit einem Umstieg handelt. Bei der Einrichtung eines Drehkreuzes steht dessen wirtschaftliche Rentabilität im Vordergrund.
Flughafen-Drehkreuze werden von den Fluggesellschaften oft auch als Heimatflughafen bezeichnet, da sie dort mehrere ihrer Maschinen stationieren und warten. Je nach Größe der Fluggesellschaft und Umfang des bedienten Streckennetzes können Airlines auch mehrere Drehkreuze haben. Zum Beispiel hat Air Berlin Drehkreuze auf den Flughäfen in Berlin (Tegel), Düsseldorf, Palma de Mallorca, Wien und Abu Dhabi. Fluggesellschaften, die mehrere Drehkreuze haben, werden als Netwerkcarrier bezeichnet.
Der größte Vorteil der Luftfahrt-Drehkreuze liegt in der besseren Auslastung der Langstreckenflüge. Wenn Langstreckenflüge als Nonstop-Flüge von einem bestimmten Ort zum Ziel durchgeführt wären, würden sie nie genug ausgelastet sein, dass sich das lohnen würde. Wenn Passagiere oder Fracht zu einem zentralen Punkt gebracht werden, erhöht sich der Nutzen der Langstreckenflüge.

Hub-and-Spoke-Verfahren

Unter Hub-and-Spoke-Verfahren versteht man allgemein ein Verfahren im Transportwesen, bei dem ein Netz so geplant wird, dass die Wege von A nach B über einen Zentralknoten Z unter dem Aspekt der Kostenminimierung möglich gemacht werden. Das Hub-and-Spoke-Verfahren stellt ein Optimierungsproblem dar. Das Gegenteil davon ist das Point-to-Point-Verfahren, bei dem die Entfernung zwischen A und B ohne Zwischenstationen zurückgelegt wird. Dieses Verfahren wird meistens von Billigfluggesellschaften praktiziert.
In der Luftfahrt ist das Hub-and-Spoke-Verfahren also nichts anderes, als die oben beschriebene Verfahrensweise, die regelmäßig genutzt wird, wenn Passagiere oder Sachen zu einem größeren Verkehrsknotenpunkt aus verschiedenen Richtungen gebracht werden, um von dort aus weiter zu fliegen. Das Verfahren hat mehrere Vorteile. Dieses Vorgehen erhöht die Auslastung und den Nutzen sowohl des Einsatzes eines Flugzeuges als auch des Flughafens. Außerdem können größere Maschinen rentabel eingesetzt werden, da sich mit der zunehmenden Größe des Flugzeuges und der Länge der Strecke die partiellen Betriebskosten pro Passagier reduzieren. Kleine regionale Flughäfen können so besser am weltweiten Luftverkehr teilnehmen. Es kann das Angebot an Destinationen erhöhen, ohne entsprechende Strecken selbst bedienen zu müssen, da Partnerunternehmen die Routen bereits erschlossen haben. Es können daher auch Ziele angeflogen werden, die sonst bei kleiner Nachfrage sich nicht rentieren würden.
Manchmal benutzen Fluggesellschaften mehrere Flughäfen als Drehkreuze oder Hubs. Das kann verschiedene Gründe haben. Manchmal ist es geografisch gesehen günstiger, in verschiedenen Teilen des Landes mehrere Hubs einzurichten, um die gesamte Fläche abzudecken. Größere Distanzen und Umwege können damit verkürzt werden, was für Fluggäste wiederum interessant ist. Manchmal müssen Fluggesellschaften überlastungsbedingt auf mehrere Flughäfen zurückgreifen.
Die Wahl eines Flughafens als Hub hat enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt bzw. Städte in der Nähe und den Flughafen. Zum einen wird die Stadt als Sitz für große Unternehmen attraktiver, da sie dadurch mit günstigen Flügen besser erreichbar sind. Unter Umständen wird die Gegend auch für Touristen interessanter, für die die Anreise aus weiter gelegenen Regionen sonst zu aufwendig gewesen wäre.

Nachteile

Einrichtung eines Hubs bedeutet auch, dass vorhandene Kapazitäten unter Umständen ausgebaut werden müssen, was mit hohen Kosten verbunden ist. Damit ist weiterhin ein höheres Flug- und Verkehrsaufkommen verbunden. Dies könnte bei den Anwohnern von flughafennahen Gegenden für Unmut sorgen, da sie mit Bau- und Fluglärm und Staus konfrontiert werden.
Grundsätzlich muss die Wirtschaftlichkeit des Hubs hinsichtlich der Kosten für Zubringerflüge genau berechnet werden. Auch in zeitlicher Hinsicht sind Verbindungen mit Umstieg auf einem Hub nicht zwingenderweise besser, da die Maschinen eventuell länger auf Zubringerflüge warten müssen.

Links

Wichtige Drehkreuze der Welt

Siehe auch

IATA
Fluglärm
Personenkilometer
Allgemeine Beförderungsbedingungen