Single European Sky

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Single European Sky (SES) ist ein Projekt der EU und der Europäischen Kommission, dessen Kernidee ist es, einen einheitlichen europäischen Luftraum zu schaffen. Die Maßnahmen dieses Projektes sollen vor allem der Überlastung des europäischen Luftraumes entgegen wirken und unnötige Kosten reduzieren. Zu diesem Zweck hat sich die Europäische Kommission in Kooperation mit Eurocontrol und ICAO eine Reihe von Zielen gesetzt, die bis 2020 erreicht werden sollen. Wenn das Vorhaben im vollen Umfang verwirklicht ist, sollen mehr als 20 Mio. Flüge pro Jahr mit dem weltweit höchsten Maß an Sicherheit übernommen werden. Die Pünktlichkeit soll erhöht werden, sodass die Flüge unabhängig von der Wetterlage innerhalb einer Minute der geplanten Ankunftszeit landen. Die Flugzeit soll durchschnittlich um 10 Minuten verkürzt werden. Den Berechnungen zufolge kann eine Kostensenkung in Höhe von insgesamt 9 Mrd. Euro durch strukturelle und operative Verbesserungen erreicht werden. Zusätzlich sind weitere 3 Mrd. Euro Ersparnis durch institutionelle und technische Reformen möglich.

Hintergrund

Der Luftraum über Europa wird derzeit von Flugsicherungsstellen des jeweiligen Landes einzeln überwacht und kontrolliert. Dies ist mit einem komplizierten Prozedere verbunden, da für den korrekten täglichen Ablauf eine reibungslose Kooperation zwischen mehreren Akteuren vorausgesetzt wird. Aufgrund der geografischen Fragmentierung sind mehrere Kontrollstellen und Flugsicherungssysteme in die Abläufe eingebunden, was in Hinblick auf Kosten, Pünktlichkeit und Wirtschaftlichkeit nicht effizient ist. Zusätzliche Kosten sowie Umweltbelastung entstehen durch Militärzonen, die vom Zivilluftverkehr komplett oder teilweise nicht genutzt werden können und Flugzeuge dementsprechend umgeleitet werden müssen. Resultierend aus diesen Differenzen entstehen unnötige Kosten und Verzögerungen, die aus Sicht der Europäischen Kommission vermieden werden können.

Bisherige Umsetzung

Bereits 1999 wurden erste Schritte zur Verwirklichung des SES vorgenommen. Auf Anordnung der Kommission wurde eine Gruppe hoch qualifizierter Vertreter der Zivil- und Militärluftfahrt zur Ausarbeitung eines Konzepts zusammengestellt. Im Oktober 2001 wurden deren Vorschläge von der Europäischen Kommission angenommen. Der europäische Luftraum sollte als eine gemeinsame Ressource, zu der jeder Zugang haben kann, jedoch unabhängig von eigennützigen Interessen jeglicher Akteure reguliert werden. So haben das Europäische Parlament und der Rat im März 2004 das erste Gesetzespaket zu Single European Sky (SES I) verabschiedet, das rechtliche Rahmenbedingungen für weitere Reformen vorbereitet hat. In diesem Paket sind die Ziele des Projektes und die Mittel, mit denen diese Ziele erreicht werden können, definiert.

SES II

Das zweite Paket zu Single European Sky, das im Juni 2008 verabschiedet wurde, sieht die Erhöhung der wirtschaftlichen, finanziellen und ökologischen Leistungsfähigkeit der europäischen Flugsicherungssysteme vor. Dabei soll bis 2012 die wichtigste Initiative des Projekts umgesetzt werden – die Einrichtung der Functional Airspace Blocks (FABs, deutsch: funktionelle Luftraumblöcke). Dadurch soll die Zusammenarbeit zwischen den Flugsicherungsorganisationen und nationalen Aufsichtsbehörden in Hinblick auf Defragmentierung des europäischen Luftraums verstärkt werden. Laut der Verordnung (EU) Nr. 1070/2009 müssen die Luftraumblöcke folgenden Kriterien entsprechen:
Unterstützung durch Sicherheitsanalysen
Ermöglichung einer optimalen Nutzung des Luftraumes unter Berücksichtigung der Verkehrsflüsse
Übereinstimmung mit dem europäischen Streckennetz
Optimale Nutzung technischer und menschlicher Ressourcen durch Kosten-Nutzen-Analysen
Gewährleistung einer reibungslosen und flexiblen Übergabe der Zuständigkeit für die Flugverkehrskontrolle zwischen Flugverkehrsdienststellen
Sicherstellung der Kompatibilität des oberen und unteren Luftraums
Berücksichtigung regionaler Übereinkünfte
Derzeit wurden nur zwei Luftraumblöcke offiziell etabliert und von der EU-Kommission anerkannt - Vereinigtes Königreich-Irland FAB und Dänemark-Schweden FAB. Weitere sieben befinden sich in der Entwicklungsphase:

  • Baltischer FAB (Litauen, Polen)
  • BLUE MED FAB (Zypern, Griechenland, Italien und Malta)
  • Danube FAB (Bulgarien, Rumänien)
  • FAB CE (Österreich, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Tschechische Republik, Ungarn, Slowakische Republik, Slowenien)
  • FABEC (Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz)
  • Nordeuropäischer FAB (Estland, Finnland, Lettland und Norwegen)
  • Südwestlicher FAB (Portugal, Spanien)

Im Jahr 2012 soll die praktische Umsetzung der Ziele und Reformen beginnen. Bis 2020 soll das System komplett betriebsfähig sein.


SESAR

SESAR (single European Sky ATM Research) repräsentiert die technologische Dimension des SES-Projektes. SESAR erarbeitet Programme für die leistungsfähige Flugsicherungsinfrastruktur und die umweltschonende Entwicklung des Luftverkehrs für die nächsten 30 Jahre. Die Arbeit des SESAR-Konzeptes ist in drei Stufen eingeteilt:
Definitionsphase (2004-2008): Erstellung eines Plans, Festlegung der Inhalte, der Entwicklung und Einsatzpläne der nächsten Generation von ATM-Systemen (Air Traffic Management) geleiten durch Eurocontrol.
Entwicklungsphase (2008-2013): vorbereitende Maßnahmen zur Durchführung des Plans.
Umsetzungsphase (2014-2020): Produktion und Implementierung der neuen ATM-Infrastruktur.

Kritik

Die Realisierung der SES-Maßnahmen kommt momentan eher langsam voran. Trotz der drohenden Überlastung des Luftraums wurden die Luftraumsektoren noch nicht etabliert und sind nur formal existent. Außerdem fürchten sich viele Mitarbeiter der Luftverkehrsbranche vor den geplanten Kostensenkungsmaßnahmen, wenn die Anzahl der Flugsicherungsunternehmen in Europa tatsächlich reduziert wird. Vor allem wird hier der EU-Kommission unterstellt, ohne Rücksicht auf Sicherheit und Arbeitsplätze möglichst viel einsparen zu wollen. Die österreichische Gewerkschaft vida hat am 12. Juni 2013 aus diesem Anlass zum europaweiten Aktionstag gegen die Sparpläne aufgerufen, dem sich auch französische Fluglotsen angeschlossen haben. Trotz dessen betonte die EU-Kommission erneut die Notwendigkeit des Vorhabens und will die Umsetzung dessen beschleunigen.

Links

Studie des Centrums für europäische Politik zum Single European Sky
Homepage von EUROCONTROL
SES auf der Homepage der EU-Kommission (englisch)
Homepage von SESAR (englisch)

Siehe auch

IACA
ICAO
IATA
AEA
EASA