Kreuzfahrt

Aus PASSAGIERRECHTE
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Eine Kreuzfahrt ist eine Pauschalreise mit einem Kreuzfahrtschiff entlang einer bestimmten Route. Eine Kreuzfahrt ist in der Regel mit mehreren Halten zum Besuch von touristischen Sehenswürdigkeiten verbunden. Es gibt Hochseekreuzfahrten, die mit größeren Schiffen durchgeführt werden, und Flusskreuzfahrten. Schiffe, die Flusskreuzfahrten ausführen, werden im Gegensatz zu Hochseekreuzfahrtschiffen nicht hoch gebaut, damit sie ohne Probleme unter Brücken passieren können. Kreuzfahrten können „um der Kreuzfahrt willen“ vorgenommen werden, um eine Seereise zu erleben, oder auch um die Vergnügungsmöglichkeiten an Bord zu nutzen und fremde Länder zu sehen, ohne das Hotel zu wechseln und mehrere Transportmittel benutzen zu müssen.

Geschichte

Als Erfinder der Kreuzfahrt gilt Albert Ballin, der damalige Direktor der deutschen Reederei Hapag. Da im Winter die Schiffe im Hafen lagen und keine Gewinne erbrachten, sondern nur Verluste, kam er zu der Idee, damit Vergnügungsreisen anzubieten. Bisher wurden Passagierschifffahrten nur zu Transportzwecken ausgeführt. Die erste Fahrt startete mit dem Schiff Augusta Victoria von Cuxhaven aus und führte unter anderem über Kairo, Jerusalem, Athen, Malta und Neapel. An der Kreuzfahrt nahmen 241 Passagiere teil. Es war eine bequeme Möglichkeit viele sehenswerte Orte zu besuchen, ohne einen Hotelaufenthalt einlegen zu müssen. Die Reise war ein Erfolg und so wurde der Bau weiterer luxuriöser Schiffe in Auftrag gegeben.
Anfänglich waren Kreuzfahrten ein Privileg der Reichen. Entsprechend war auch das Angebot an Speisen, Getränken und Unterhaltung an Bord ausgerichtet. Im Laufe der Zeit nahm jedoch das Angebot an Kreuzfahrten generell zu und die Preise wurden auch für Normalverdiener erschwinglich. Heute bieten Kreuzfahrtschiffe eine breite Palette an Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten und Kabinen jeder Komfortklasse an. Es gibt viele Routen zu unterschiedlichsten touristischen Gebieten.

Kreuzfahrt-Arten

Klassische Kreuzfahrt – klassische Kreuzfahrten sind meist wegen der luxuriösen oder gehobenen Ausstattung der Schiffe beliebt. Sie bieten in aller Regel einen besonderen Komfort und eine Vielzahl an Unterhaltungsmöglichkeiten an Bord, von Theater, Kasinos und Kino bis hin zu Sportkursen und Schwimmbädern. Ferner wird an Bord exzellenter Service angeboten. Die Dauer dieser Kreuzfahrten beträgt meist 14 Tage, es sind aber auch längere Reisen möglich. Die Nachfrage nach allen Segmenten ist immer noch groß, entsprechend verschieden ist auch das Angebot. Die Reise kann auch einem bestimmten Thema gewidmet sein, zum Beispiel Sport, Musik oder Gastronomie.
Billigkreuzfahrten – bei dieser Art der Kreuzfahrten liegt der Schwerpunkt auf Besuch von fremden Ländern und Kulturen. Daher ist der Service an Bord im Vergleich zu klassischen Kreuzfahrten nicht so exklusiv. Außerdem werden weitere Ersparnisse in den Bereichen Verpflegung, Ausstattung des Schiffes und der Kabinen und Unterhaltung gemacht, um niedrigere Preise zu ermöglichen.
Eine etwas andere Form, die aber dennoch teilweise zum Segment der Billigkreuzfahrten zählen kann, ist Fun-Cruising. Die dafür eingesetzten Schiffe sind sehr groß und können eine Vielzahl von Menschen aufnehmen, wodurch die Preise entsprechend gering gehalten werden können. Das Vergnügungsangebot ist jedoch sehr vielfältig und entspricht in etwa dem Konzept des Cluburlaubs. Neben typischen Möglichkeiten wie Cafés, Restaurants, Kasinos und Discos gehören ferner auch beispielsweise Einkaufszentren dazu.
Kurzkreuzfahrt – die Reise dauert hier etwa 2 bis 5 Tage. Mögliche Zwecke können sein das Kennenlernen der Reiseform Kreuzfahrt sowie eine Alternative zum Wochenendausflug. Die Ausstattung des Schiffes sowie Leistungen an Bord können genauso wie bei anderen Formen unterschiedlich sein.

Bedeutung der Kreuzfahrt

Die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Werften, Reedereien und spezialisierte Reiseveranstalter profitieren direkt von der steigenden Beliebtheit dieser Form der Reise. Indirekt werden Einnahmen durch Begleitmaterial wie Reiseprospekte, Souvenirs, Literatur usw. generiert. Für lokale Tourismusbranche der angelaufenen Gebiete entstehen weniger Gewinne, da die Passagiere keine lokalen Unterkünfte und ggf. weniger Verköstigungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen.
Es wird oft die Ansicht vertreten, dass Tourismus im Allgemeinen zum Erhalt der ursprünglichen Kultur und Traditionen beiträgt. Diese entspricht jedoch häufig nicht der Realität. Zum einen kann man während eines kurzen Aufenthaltes nur oberflächlich das Land erleben, wenn überhaupt. Zum anderen führt ein hohes touristisches Aufkommen zum Anstieg der Kriminalität, Kommerzialisierung der kulturellen Werte und begünstigt das Entstehen der Vorurteile.

Umweltschutz

Genauso wie jede andere Art des Reisens verursachen Kreuzfahrten eine starke Umweltbelastung. Kreuzfahrtschiffe verursachen täglich etwa 4 Tonnen Müll, der teilweise einfach in das Meer abgeworfen wird. Zusätzlich tragen Kreuzfahrtschiffe zur Luftverschmutzung bei.
Es gibt eine Reihe von nationalen und länderübergreifenden Regelungen hinsichtlich des Umweltschutzes. Die Internationale Maritime Organisation (IMO) erließ das weltweite Übereinkommen zum Schutz der Gewässer, in dem Vorschriften zur Entsorgung von Öl, Abwasser, Müll und zum Emissionsausstoß auf Schiffen enthalten sind. Da aber Umweltschutzmaßnahmen in der heutigen Wirtschaft zum guten Image gehören, setzen sich viele Kreuzfahrtunternehmen freiwillig für den Umweltschutz ein. Technische Anlagen werden hinsichtlich ihrer Ressourcenschonung weiterentwickelt und modernisiert. Auch in Hinblick auf Einwegprodukte stellen zahlreiche Kreuzfahrtunternehmen von Plastik auf Holz und Papier um.

Begriffe aus der Schifffahrt

Begriff Erklärung
Ausbooten ist das Transportieren der Passagiere vom Kreuzfahrtschiff aufs Festland (erfolgt meistens mit sog. Tender- oder auch Beibooten), welches nur stattfindet, wenn das Kreuzfahrtschiff nicht in den Hafen einlaufen kann.
Auslaufen ist das Verlassen des Hafens.
Ausschiffen ist das Von-Bord-Gehen der Passagiere.
Backbord ist die linke Seite des Schiffes in Fahrtrichtung.
Boje ist ein im Meeresboden fest verankerter Schwimmkörper, der Hindernisse markiert und den Weg weist.
Bug ist die Bezeichnung für den vorderen Teil des Schiffes.
Bullauge ist die Bezeichnung für das runde Kabinenfenster.
Bunker ist der Ort, an dem der Treibstoff des Schiffes gelagert wird.
Cabin Steward wird die Person genannt, die für den Zimmerservice an Bord verantwortlich ist.
Captain’s Dinner ist das festliche Abendprogramm, dass mindestens 1x während einer Kreuzfahrt stattfindet, welches unter des Ehrenvorsitzes des Kapitäns steht. Zu diesem Anlass wird gehobene Kleidung erwünscht.
Cruise Director ist der Kreuzfahrtdirektor und trägt die Verantwortung vielerlei Angelegenheiten an Bord (wie z.B. die Betreuung der Passagiere, Bordprogramme, Ausflüge, uvm.).
Davit ist der Name des kleines Krans, welcher die Funktion des Ausschwenkens der Rettungsboote im Notfall trägt.
Deck ist ein weiterer Begriff für die Stockwerke eines Kreuzfahrtschiffs, welche mit einer eigenen Nummer und Farbe gekennzeichnet sind.
Dippen ist das Begrüßen eines vorbeifahrenden Schiffes mittels einer Fahne.
Dock ist ein Begriff für die Anlegestelle eines Schiffes (wie auch Pier und Kai).
Einschiffen bezeichnet das An-Bord-Gehen der Passagiere.
Etmal ist die Strecke, die ein Schiff von einem Mittag bis zum nächsten Mittag zurückgelegt hat.
Flagschiff ist das größte – und oftmals auch das bedeutendste – Schiff einer Reederei.
Gangway ist die Bezeichnung für die Treppen oder den Steg, der als Zugang zum Schiff dient.
Heck ist das Wort für den hinteren Teil eines Schiffes.
Heuer ist eine altertümliche Bezeichnung für den Lohn von Seeleuten.
Interporting beschreibt das Prinzip, dass Reedereien verschiedene Zustiegshäfen auf einer Reise anbieten.
Jungfernfahrt bezeichnet die erste Fahrt eines Kreuzfahrtschiffes.
Kiel ist der Balken bzw. das Grundgerüst, das sich in der Mitte eines Schiffrumpfes befindet und für die Stabilität des Schiffes dient.
Kimm bezeichnet die Horizontlinie, die von Himmel und Meer gebildet wird.
Knoten ist die Einheit für die Schiffsgeschwindigkeit.
Koje ist ein Wort für das Bett an Bord eines Schiffes.
Kombüse bezeichnet die Schiffsküche.
Kurs ist die Bezeichnung für die Fahrtrichtung des Schiffes, welche in Grad gemessen wird.
Lee ist die Seite, die vom Wind abgewandt ist.
Luv ist die Seite, die dem Wind zugewandt ist.
Manifest ist ein Listendokument, in dem alle Angaben über das Schiff, die Ladung, die Häfen usw verzeichnet sind.
Peilung ist die Richtung, also das Ziel der Fahrt, welche in Grad gemessen wird.
Pier ist ein weiterer Begriff für die Anlegestelle eines Schiffs (wie auch Dock oder Kai).
Querab ist die Position eines Gegenstandes, welcher im rechten Winkel zum Schiff liegt.
Reederei ist die allgemeine Bezeichnung für Schifffahrtsunternehmen.
Reling bezeichnet das Geländer auf dem Schiff.
Rumpf ist der reine Schiffkörper ohne Ausbauten.
Schlingern bezeichnet das Hin- und Herschaukeln eines Schiffs.
Tender ist ein weiteres Wort für Rettungsboot.
Vorsteven ist ein anderer Begriff für den vorderen Teil des Bugs.
Windstärke-Skala ist eine Skala, die Auskunft darüber gibt, wie stark der Wind weht, wobei 0 für Windstille steht und 12 für Orkan.
Zodiacs ist die Bezeichnung für kleine Gummischlauchboote mit Motorantrieb des Herstellers Zodiac, die meistens als Transportmittel zwischen dem Schiff und einem Ausflugsort bei Expeditionskreuzfahrten eingesetzt werden.

Das Interporting-Prinzip

Der Begriff beschreibt das Prinzip, dass Reedereien verschiedene Zustiegshäfen auf einer Reise anbieten. Dieses Angebot veranlasste einen Wandel in der Kreuzfahrt. Früher stiegen die Passagiere einer Kreuzfahrt im ersten Hafen ein und im letzten Hafen aus. Mittlerweile bieten immer mehr Schifffahrtunternehmen Rundreisen mit der Möglichkeit an, die Reise in verschiedenen Häfen zu beginnen und zu beenden. Hierbei entsteht eine größere Flexibilität in Bezug auf Flugkapazitäten. Auch das Ansprechen unterschiedlicher Märkte lässt sich durch das Interporting leichter umsetzen. So können beispielsweise Personen aus Italien, Frankreich oder Spanien in verschiedenen Küstenstädten ihrer Länder zusteigen.

Vorteile für die Passagiere

Urlauber genießen durch das Angebot des Interportings verschiedene Vorteile:

  • Größere Anzahl der Möglichkeiten für die Planung der An- und Abreise.
  • Kürzere Wege zum Zustiegshafen.
  • Geringere An- und Abreisekosten, da flexiblere Hafenwahl.

Herausforderungen für die Reedereien

Mit dem Prinzip des Interportings findet der Passagierwechsel nicht mehr nur an einem Tag statt. Das stellt die Schifffahrtunternehmen vor verschiedene Herausforderungen:

  • Vermeiden von Serviceeinschränkungen für die Gäste
  • Kompliziertere Planung der Kabinenbelegung
  • Erhöhter Kostenaufwand für zusätzliches Personal (für die Hilfe beim Check-In, Koffertransport)
  • Veränderung der Programm- und Servicestruktur, um das Angebot während der gesamten Reise für jeden Passagier gleichbleibend zu gestalten.
  • Änderungen im Ablauf der Sicherheitsübungen (Gewährleistung der Sicherheitsübungen bei jeder Zustiegsmöglichkeit)

Neuheiten in der Kreuzfahrtbranche

Die Essen-Trends

Die Kreuzfahrtbranche passt sich dem Wandel des Essens an. Somit ist die Traditionen der 2 Essenssitzungen und dem Büffetrestaurant nicht mehr üblich. Auf den meisten Schiffen findet man nun eine zahlreiche Auswahl an Restaurants mit unterschiedlichen Küchen. Jeder Passagier kann essen, wann und wo er möchte. Auch die Anforderungen je nach Kulturkreis sind unterschiedlich. Meistens variiert das Essensangebot, je nachdem ob sich mehr Asiaten, mehr Europäer oder mehr Amerikaner unter den Reiseteilnehmern finden.

Die Zahl der Allergiker, Vegetarier und Veganer steigt stetig. Hierfür stehen spezielle Teams an Bord vieler Kreuzfahrtschiffe zur Verfügung, die sich um die individuellen Belange kümmern.

Oben-ohne-Kreuzfahrt

Am 13. Februar 2020 beginnt die Kreuzfahrt „Temptation Caribbean Cruise“, bei der die Passagiere die Möglichkeit besitzen, sich in bestimmten Bereichen oberkörperfrei zu bewegen. Frei nach dem Motto: „Lebe deinen Oben-ohne-Traum“, wie es das mexikanische Unternehmen Original Group anpreist. Dieses bietet ohnehin schon verschiedene freizügige Urlaubsmöglichkeiten an und wird 2020 nun auch in die Kreuzfahrt-Branche einsteigen. Reiseteilnehmer müssen das Mindestalter von 21 Jahren vorweisen. Zu den oberkörperfreien Bereichen zählen alle Pools und Sonnendecks. Auch bei bestimmten Abendveranstaltungen ist oben ohne erlaubt, wobei in anderen bestimmten Arealen des Schiffes, wie beispielsweise den Bordrestaurants, explizit ein Dress-Code herrscht.

Fakten der Temptation Caribbean Cruise:

  • Schiff: Brillance oft he Seas
  • 1074 Kabinen auf 13 Decks
  • 2148 Passagiere
  • 2 Pools, 7 Restaurants, eine Kletterwand, ein Spa, ein Fitness-Center, ein Kasino
  • Preise ab 548 US-Dollar (günstigste Kabine) bis 13.842 US-Dollar (Royal Suite)

Der Veranstalter spricht davon, einen heißen Spielplatz für Erwachsene in Form einer Kreuzfahrt zu erschaffen. Das Onboard-Programm umfasst zahlreiche Themennächte, Poolpartys und Shows. Die 6-tägige Kreuzfahrt sollte jedoch nur in Erwägung ziehen, wer sich an nackter Haut und eventuell auch Exzessen erfreut. Um jedem Passagier eine Wohlfühlatmosphäre gewährleisten zu können, besteht ein striktes Foto- und Video-Verbot in allen oberkörperfreien Bereichen. Original Group ist ambitioniert, die erhöhten Ansprüche zu erfüllen und somit weltweiter Marktführer für Erwachsenen-Reisen zu werden.

Außergewöhnliche Freizeitaktivitäten an Bord

Das Kreuzfahrtschiff „Spectrum of the Sea“ bietet ein ausgefallenes Unterhaltungsangebot. Reiseteilnehmer können sich beim „Sky Pad“ in einer großen Kuppel auf einem Bungee-Trampolin anschnallen lassen und mittels Virtual-Reality-Headset verschiedenste virtuelle Reisen erleben. Weitere Aktivitätsmöglichkeiten:

  • Karaoke-Singen
  • Autoscooter
  • Fallschirmsprung- und Surf-Simulator

Das Kreuzfahrtschiff wurde speziell für asiatische Gäste entworfen.

Trinkgeld bei einer Kreuzfahrt

Das Bezahlen von Trinkgeld bei einer Kreuzschifffahrt unterliegt keiner Regelung. Jede Reederei handhabt diese Angelegenheit unterschiedlich. So kann es vorkommen, dass das Trinkgeld bereits automatisch im Reisepreis enthalten ist oder für jeden Tag an Bord eine Trinkgeldpauschale für die Service-Crew erhoben wird, da dies oftmals Teil des Einkommens der Mitarbeiter an Bord der Schiffe ist.

In Deutschland gilt jedoch die Preisangabeverordnung, in der im ersten Paragraphen festgelegt ist, dass Preise mit allen Bestandteilen einschließlich der Umsatzsteuer angegeben werden müssen. Wer also in Deutschland eine Kreuzfahrt bucht, kann sich darauf berufen, auch wenn die Reederei ihren Hauptsitz im Ausland hat. Auch Klauseln in den AGBs der Schifffahrtsunternehmen können dieses Gesetz nicht außer Kraft setzen.

Die Regeln bei der Handhabung des Trinkgeldes müssen vom Veranstalter von Anfang an klar kommuniziert werden. Passagieren muss es freigestellt sein, der Höhe des Trinkgeldes im Vorhinein zuzustimmen oder später anzupassen oder auch komplett zu stornieren. Es empfiehlt sich also schon bei der Buchung auf Nebenkosten zu achten. Entsprechende Hinweise findet man in den Unterlagen und/oder Prospekten. Wer dennoch zu Unrecht aufgefordert wird, Trinkgeld an Bord zu bezahlen, kann sich wehren und bekommt das Geld in der Regel zurückerstattet, wenn die Ansprüche berechtigt sind.

Liste der Trinkgeld-Regelungen

Reederei Trinkgeld-Regelung
AIDA Cruises Trinkgelder sind im Reisepreis inklusive; freiwilliges Trinkgeld an Bord ist möglich
TUI Cruises Trinkgelder sind im Reisepreis inklusive; freiwilliges Trinkgeld an Bord ist möglich
Costa Crociere Vorschlagstrinkgeldbetrag in Höhe von 10,-€ pro Person pro Nacht wird auf der Bordrechnung verbucht. Dieser kann jedoch durch den Passagier an Bord angepasst werden.
MSC Cruises Vorschlagstrinkgeldbetrag in Höhe von 10,-€ (in der Karibik 12,50 US-Dollar) pro Person pro Nacht wird auf der Bordrechnung verbucht. Dieser kann jedoch durch den Passagier an Bord angepasst werden.
Royal Caribbean International In normalen Kabinen wird ein Vorschlagstrinkgeldbetrag in Höhe von 13,50 US-Dollar, in Suiten von 16,50 US-Dollar pro Person pro Nacht wird auf der Bordrechnung verbucht. . Dieser kann jedoch durch den Passagier vor der Reise oder an Bord bezahlt, angepasst oder storniert werden.
Norwegian Cruise Line Bei Buchungen in Deutschland sind die Trinkgelder im Reisepreis inklusive.
Phoenix Reisen Es gibt nur eine Trinkgeldempfehlung in Höhe von 4,- bis 5,- € pro Person pro Nacht. Diese ist jedoch nicht obligatorisch.

Die längste Kreuzfahrt der Welt

Das kalifornische Schifffahrtunternehmen Viking Ocean Cruises bietet die derzeit längste Kreuzfahrt der Welt an.

  • 245 Tage, 59 Länder, 6 Kontinente

Die Route

Innerhalb etwa 8 Monaten stehen 113 Häfen auf dem Reiseplan. Das Kreuzfahrtschiff startet am 31. August 2019 in London und verlässt den Hafen über den atlantischen Ozean in Richtung Kanada, weiter an der amerikanischen Ostküste entlang bis in die Karibik. Von dort aus geht es durch den Amazonas und um Südamerika herum zur Westküste Richtung Norden bis Kalifornien. Danach durchquert das Schiff den südpazifischen Ozean und hält in verschiedenen Häfen Neuseelands und Australiens. Auf dem weiteren Reiseplan stehen Ostasien, der Mittlere Osten und verschiedene Destinationen im Mittelmeer. Damit befindet sich das Kreuzfahrtschiff wieder auf dem Weg zurück nach England.

Der Ticketpreis

Die Ticketpreise starten ab circa 78.000 €. Für die luxuriösen Suiten kostet ein Ticket um die 226.000 €. In diesen Preisen sind bereits folgende Inklusivleistungen enthalten:

  • (gehobene) Kost und Logis
  • Übernachtungen in 22 verschiedenen Städten
  • Tagesexkursionen
  • 2 Business-Class-Flugtickets nach London und zurück in den Heimatort
  • ein Gutschein über etwa 3.350 €, die man bei den Ausflügen ausgeben kann
  • ein Guthaben von rund 1.600 €, welches an Bord für Wellness- und Spa-Angebote eingelöst werden kann

Es besteht auch die Möglichkeit, nur Teilstrecken der Reise zu buchen. So kann man beispielsweise für circa 40.100 € in London starten und nach 127 Tagen in Los Angeles aussteigen, oder alternativ in Los Angeles einsteigen und für 119 Tage bis London mitzureisen. Letzteres kostet dann etwa 38.400 €.

Rechte bei einer Kreuzfahrt

Auch bei einer Kreuzfahrt kann es einmal nicht genauso ablaufen wie man es sich vorstellt. Wenn diese Abweichungen aber rechtlich relevant sind, kann dies unter Umständen bestimmte Ansprüche gegen den Reiseveranstalter begründen.

Haftung bei der Absage einer Kreuzfahrt

Bei Reisen hat der Reiseveranstalter die Beweislast bei einem Entlastungsbeweis auch für seine Erfüllungsgehilfen zu tragen, BGH, Urt. v. 12.03.1987, Az: VII ZR 172/86. Es gelten die gleichen Verschuldensgrundsätze wie im Werkvertragsrecht (vgl. BGHZ 48, 310, 312; NJW 1983, 1731, 1732 m.N.). Demnach hat der Unternehmer, der mangelhaft geleistet oder pflichtwidrig gehandelt und dadurch aus seinem Gefahrenbereich heraus dem Reisenden Schaden zugefügt hat, zu seiner Entlastung nachzuweisen, dass er die schädigenden Umstände nicht zu vertreten hat. Es ist daher sachgerecht, diese Grundsätze des allgemeinen Werkvertragsrechts auf den Reisevertrag als eine besondere Art des Werkvertrages (vgl. BGHZ 85, 50, 58; NJW 1983, 2699, 2701) entsprechend anzuwenden. Das bedeutet, wenn das Personal auf einem Kreuzfahrtschiff dem Passagier in irgendeiner Weise einen Schaden zufügt, hat der Reiseveranstalter grundsätzlich dafür zu haften. Allein dem Reiseveranstalter obliegen die Gestaltung der Reise und die Auswahl der Leistungsträger, die für Mängel ursächlich sind.

Schadensersatz

Wird eine Kreuzfahrt nicht durchgeführt, oder die Buchung nicht vorgenommen, haben Reisende einen Anspruch auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung. Zu diesen Kosten gehören auch Mehrkosten, welche aufgewendet werden müssen, um im geplanten Reisezeitraum eine Ersatzreise durchzuführen. (§ 651 c Abs.3 BGB Tonner, in Münchener Kommentar zum BGB, 7. Aufl., § 651f Rn. 35, § 651c Rn. 179; Führich, Reiserecht, 7. Aufl., § 7 Rn. 166). Ersatzkosten können nicht allein aufgrund der Tatsache abgelehnt werden, dass die Reiseziele unterschiedlich sind. Reisende können in der Regel bei einem völligen Ausfall der Reise auch einen Schadensersatz für vertane Urlaubszeit unterhalb des vollen Reisepreises verlangen, da sie über diese Zeit hätten frei verfügen können, § 651f Abs.2 BGB. Die Höhe dieser Entschädigung wird durch den Richter festgesetzt und bemisst sich am Reiseziel, der Reisedauer, dem Preis, der Art und dem Umfang der Beeinträchtigung. Auch ist ein Schadensersatz wegen vorzeitiger Beendigung, zum Beispiel durch Brand auf einem Schiff möglich, wenn diese Beeinträchtigung nicht auf höherer Gewalt basiert. Denn in solchen Fällen kann die vorzeitige Beendigung der Reise nicht als Kündigung angesehen werden. Sie steht einem Mangel im Sinne des § 651c Abs.1 BGB gleich. Wird nämlich bei einer Pauschalreise eine nach dem Vertrag geschuldete Leistung aus Gründen, die nicht allein in der Person des Reisenden liegen, ganz oder teilweise nicht erbracht, so handelt es sich grundsätzlich um einen Reisefehler, für den der Reiseveranstalter nach den §§ 651c ff. BGB haftet.

Selbstgebuchte Ersatzreise

Wurde die gebuchte Reise vom Reiseveranstalter abgesagt, kann der Reisende sich in der Art Abhilfe verschaffen, indem er eine neue Reise bucht. Der Veranstalter muss in solchen Fällen die Mehrkosten übernehmen und kann sich nicht drauf berufen, nicht zahlen zu müssen weil die Reise ein anderes Ziel hat. Vielmehr ist er in solchen Fällen auch zur Übernahme verpflichtet. Dies gilt auch dann, wenn die Reise deshalb nicht angetreten werden konnte, weil der Veranstalter Plätze auf dem Schiff nicht gebucht hat. Wenn zum Beispiel eine Reise mit dem Mietwagen, anstatt einer eigentlich gewollten Kreuzfahrt vorgenommen wird, sind auch die so entstandenen Mehrkosten zu ersetzen (OLG Köln, Urt. v. 19.07.2017, Az: 16 U 31/17). Das liegt daran, weil es für die Entschädigung für vertane Urlaubszeit nicht darauf ankommt, wie der Reisende seine Zeit verbringt.

Verlorenes Gepäck

Der Reiseveranstalter hat den Wert des verlorenen Gepäcks dann zu ersetzen, wenn er den Umstand der zum Verlust des Gepäcks führt, wie etwa Feuer oder Sinken des Schiffes, zu vertreten hat.

Brand auf dem Schiff

Brände auf Schiffen können einen Schadensersatz begründen, wenn sie nicht auf höherer Gewalt basieren. Oft stehen Schiffsbrände in Zusammenhang mit dem Betreiben eines Schiffes, und liegen daher im Gefahrenbereich des Reiseveranstalters. Eine solche Mangels- oder Schadensursache würde zu einer objektiven Pflichtverletzung des Reiseveranstalters führen. Ein Schadenersatzanspruch ist nicht durchsetzbar, sofern der Reiseveranstalter darlegen und begründen kann, dass er den Mangel und die Folge nicht zu vertreten hat. (Bartl, Reiserecht, 2. Aufl., Rdn. 147; Löwe in MünchKomm, BGB § 651j Rdn. 3; Staudinger/Schwerdtner, BGB 12. Aufl., § 651j Rdn. 4)

Frühzeitige Kreuzfahrtabsage

Wenn eine konkrete Kreuzfahrt mindestens ein Jahr vor Start gebucht wurde, und dann von dem Reiseanbieter storniert wurde, steht dem Reisenden ein Schadensersatz in Höhe von 50 % des Reisepreises zu. Dies gilt auch dann, wenn der Veranstalter die Reise ein halbes Jahr im Voraus absagt und Alternativen anbietet. Dann steht einem hohen Interesse des Reisenden an gerade der gebuchten Reise eine geringfügigere Beeinträchtigung bei der Urlaubsgestaltung aufgrund der vergleichsweise frühzeitigen Absage gegenüber.

Haftung

Haftung für Körperschäden

Bei einem durch den Veranstalter verschuldeten Unfall auf einem Kreuzfahrtschiff ergeben sich Ansprüche auf Schmerzensgeld aus § 651 f Abs.1 BGB i.V.m. § 253 Abs.2 BGB, Schadensersatz für sämtliche gegenwärtigen und zukünftigen materiellen und immateriellen Schäden , gem. § 651 f II BGB, Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude, und Reisepreisminderung gem. §§ 651 c I, 651 d I, 638 III und IV BGB. Der Reiseveranstalter schuldet dem Reisenden wegen seiner Obhuts-und Fürsorgepflichten die Abwehrmaßnahmen gegen Gefahren, die mit der Reise verbunden sind., und mit denen der Reisende nicht zu rechnen braucht. Daher fallen auch Beeinträchtigungen infolge von Sicherheitsdefiziten in den Verantwortungsbereich des Reiseveranstalters, das heißt infolge einer Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht, für deren Einhaltung er einzustehen hat, unter den Mangelbegriff. Zu beachten ist dabei aber, dass ein gewisses Mitverschulden vom Gesamtanspruch abzuziehen ist § 254 BGB. So treffen einen Schiffsreisenden auf einem Kreuzfahrtschifff besonders im Außenbereich auch gesteigerte Sorgfaltspflichten, insbesondere in Hinblick auf Rutschgefahren. (LG Frankfurt, Urt. v. 08.08.2011, Az: 2-24 O 126/10)


Haftung für Infektionen

Das Grassieren von Viren oder Infektionskrankheiten wie etwa dem Novovirus auf einem Schiff, stellen einen massiven Reisemangel dar. Dieser kann einen Reisepreisminderungsanspruch begründen. Erkrankt eine hohe Zahl an Reisenden gleichzeitig, in etwa 20%, indiziert dies, dass die Ursache im Gewährleistungsbereich des Reiseveranstalters liegt. Solche Erkrankungen können für die Tage der Erkrankung einen Schmerzensgeldanspruch entstehen lassen. Ein Anscheinsbeweis dafür, dass die Ursache für eine Erkrankung, unabhängig von ihrer nicht aufklärbaren genauen Natur, im Hotel, und damit im Gewährleistungsbereich des Reiseveranstalters, zu finden ist, besteht nur dann, wenn eine signifikant hohe Anzahl von Reisegästen gleichzeitig an gleichartigen Symptomen erkrankt. Bei der Bestimmung, ob eine signifikant hohe Anzahl von Erkrankungen vorgelegen hat, ist auch die Belegungszahl während der entsprechenden Reisezeit zu beachten. Diesbezüglich wird vertreten, dass eine solche signifikant hohe Anzahl von gleichzeitig Erkrankten jedenfalls dann ausgeschlossen ist, wenn noch nicht einmal deutlich mehr als 10 % der Gäste erkrankt sind (vgl. Führich, Reiserecht, 6. Auflage, 2010, Rn. 324 b).


Verkehrssicherungspflichten

Einen Reiseveranstalter trifft eine vertragliche und eine deliktische Schadensersatzhaftung, wenn er seine zum Schutz der Sicherheit der Reisenden bestehende Verkehrssicherungspflicht verletzt. Diese erstreckt sich nicht nur auf den Bereich der vertraglich geschuldeten Reiseleistung, sondern erfasst auch Einrichtungen, die aus Sicht des Reisenden als integraler Bestandteil eines Reiseelements erscheinen (Eckert, "Die Anforderungen der Rechtsprechung an die Verkehrssicherungspflicht der Reiseveranstalter und ihre Auswirkungen auf die Haftung", RRa 2007, 113, 120). Die Verkehrssicherungspflichten des Veranstalters erstrecken sich auf alle äußerlichen Bereiche wie Treppen, Pools, usw. Solchen Pflichten ist daher mit dem Aufstellen von etwa Hinweis- oder Warnschildern nachzukommen. Auch wenn zum Beispiel die Mitarbeiter des Reinigungspersonals gegen ihre Verkehrssicherungspflichten verstoßen, muss der Reiseveranstalter sich dies als eigene Verkehrssicherungsverletzung nach § 278 BGB zurechnen lassen, da dieses Personal Erfüllungsgehilfe des Veranstalters ist. Im Falle eines Reisemangels wird zu Lasten des Reiseveranstalters vermutet, dass er den Mangel zu vertreten hat (§ 651 f Abs.1 BGB). Dem Reiseveranstalter steht jedoch der Entlastungsbeweis offen. Dazu muss er darlegen und im Einzelfall beweisen, dass der Mangel auf einem Umstand beruht, den er nicht und den auch keiner seiner Erfüllungsgehilfen und keiner von den Erfüllungsgehilfen des Leistungsträgers verschuldet hat. Dabei muss der Reiseveranstalter für sämtliche in Betracht kommenden Schadensursachen den Entlastungsbeweis erbringen (vgl. BGH, NJW 2007, 2549, 2551).

Auch wenn das Schiffshospital fehlerhafte Arbeit geleistet hat, muss der Reiseveranstalter sich diese Fehler grundsätzlich zurechnen lassen. Bei Schiffsreisen haftet der Reiseveranstalter auch für Entschädigungsansprüche nach § 651 f Abs.2 BGB. Diese Ansprüche werden nicht von Ansprüchen nach der Anlage zu § 664 HGB verdrängt, sondern stehen neben diesen (vgl. Führich, Reiserecht, 6. Aufl., 2010, Rn. 499, 1216). Auch im Rahmen des § 651 f Abs.2 BGB wird das Vertretenmüssen des Reiseveranstalters vermutet. Anders ist es, wenn sich in einer Verletzung des Reisenden nur das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht, dann kann der Veranstalter nicht haftbar gemacht werden. Das ist zum beispiel dann der Fall, wenn der Reisende eine an Bord befindliche Hängematte benutzt, und dabei aus dieser fällt. Der Reiseveranstalter hat in solchen Fällen keine Verkehrssicherungspflicht.

Verpassen des Kreuzfahrtschiffes

Oftmals werden Kreuzfahrten mit Flügen zur Startdestination der Fahrt angeboten. Diese Flüge sind bei dem Gesamtpreis dann inklusive. Wenn die ursprünglich gebuchte Fluggesellschaft den Flug zum Schiff nicht durchführen kann, und deshalb ein Flug mit einer anderen Fluggesellschaft durchgeführt wird, stellt dies nicht nur eine Flugannullierung, sondern in Hinblick auf die Kreuzfahrt auch einen Reisemangel nach § 651 f Abs. 2 BGB dar. Dieser Mangel kann zu einer Minderung von 5 % des Tagesreisepreises berechtigen, vgl. AG Rostock, Az: 47 C 240/10. Für den Fall, dass sich der Service und die Leistung der Fluggesellschaft nicht schwerwiegend unterscheiden, kann für eine geringfügige Änderung kein Minderungsanspruch anerkannt werden. Sofern bei der alternativen Airline die Verpflegung lediglich einfach ausfällt, ist dies als bloße Unanehmlichkeit hinzunehmen. Ein Anspruch auf Schadensersatz für vertane Urlaubszeit nach § 651 n BGB besteht jedoch nur, wenn die verzögerte Anreise zum Starthafen auf ein Verschulden des Reiseveranstalters zurückzuführen ist. Wenn ein Flug aufgrund von starken Schneefällen an nur einem Flughafen ausfällt, muss der Reiseveranstalter das nicht vertreten, weil er keinen Einfluss auf diesen Umstand hat.

Sollte es nach einem verpassten Flug nicht mehr möglich sein, das Schiff noch zu erreichen, und der Reisende muss deswegen die Reise abbrechen und nach Hause zurückkehren, kann eine Pflicht des Reisenden bestehen, den Veranstalter unter einer Notfallnummer zu erreichen. Diese Notfallnummern sind typischerweise im Reiseprospekt oder den Reiseunterlagen angegeben. Nur wenn er diesen Versuch unternimmt, und niemanden erreichen kann, oder sich aus diesem Gespräch keine Möglichkeiten ergeben, die Reise fortzusetzen, kann dies zu einem Anspruch auf Schadensersatz führen. Wenn es möglich ist, zu einem späteren Zeitpunkt zuzusteigen, stellt die Verspätung des Fluges keinen erheblichen Reisemangel dar, der eine Kündigung des Reisevertrags rechtfertigt, vgl. LG Frankfurt, Az: 2-19 O 201/05. Handelt es sich bei den Flügen um einen Anschlussflug zu dem eigentlichen Zubringerflug, kann die Kündigung ausgeübt werden, wenn der Reisende nach dem ersten Flug wieder zurückfliegt. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die Kündigungserklärung grundsätzlich formfrei ist und von einer solchen Erklärung dann auszugehen ist, wenn der Reisende deutlich macht, aufgrund erheblicher Mängel die Reise vorzeitig abzubrechen (Seyderhelm, Reiserecht, § 651 e Rdn. 36; Führich, Reiserecht, 5. Aufl., Rdn. 372 m. w. N.).

Eine solche Kündigung ist aber nur gerechtfertigt, wenn alle Versuche unternommen wurden, die Reise fortzusetzen. Das Kündigungsrecht nach § 651 e Abs. 1 BGB setzt einen erheblichen Reisemangel voraus. Gerade wenn der Tansport zum Schiff am nächsten tag erfolgen kann, ist dies nicht der Fall. Ergänzend ist in diesem Zusammenhang auszuführen,dass ein Anspruch aus § 651 e BGB auch voraussetzt, dass der Reisende dem Reiseveranstalter eine Möglichkeit zur Abhilfe eingeräumt hat, § 651 e Abs. 2 BGB.

Gerade wenn, wie bei Kreuzfahrten üblich, ein Informationsheft mit Telefonnummern angegeben ist, sind diese im Zweifel als erstes zu kontaktieren. Eine sofortige Kündigung kann dagegen nur bei einem besonderen Interesse des Reisenden gerechtfertigt sein.


Alternativer Reiseverlauf

Nichtanlaufen vorgesehener Häfen

Wenn im Reisevertrag ausdrücklich das Anlaufen von bestimmten Häfen angegeben ist, kann das Nichtanlaufen als Reisemangel gesehen werden. Unter Nichtanlaufen versteht sich dabei das Nichtanlegen von bestimmten, vorher vereinbarten Punkten. Wichtig ist jeweils, wie ein objektiver Betrachter die Reiseroute verstehen kann. Wenn in der Reiseroute aufgeführt ist, dass beispielsweise eine Landzeit von 7 Stunden, oder 17 Stunden, mit dazwischenliegender Übernachtung auf dem Schiff vorgesehen ist, kann als Ersatz nicht ein anderer Hafen angelaufen werden, und der Transport zum Ziel mit kostenpflichtigen Bussen erfolgen. Dieser Umstand kann zu einer Reiseminderung von 25 % führen, vgl. AG München, Urt. v. 01.04.2009, Az: 262 C 1373/09. Kann der Hafen aus witterungsbedingten Gründen nicht angelaufen werden, vermindert das nicht den Anspruch auf Reisempreisminderung, ist jedoch für einen eventuellen Schandesersatz relevant.


Andere Reiseroute

Wenn nicht die vereinbarte, sondern eine andere Reiseroute, die sich erheblich von der ursprünglichen unterscheidet, während der Reise benutzt wird, stellt dies eine Abweichung der Ist- von der Soll-Beschaffenheit, und damit einen Fehler im Sinne des § 651 c Abs.1 BGB dar. Das bedeutet, die tatsächliche Beschaffenheit der Reise weicht von dem vereinbarten ab. Die Soll-Beschaffenheit betrifft insbesondere Art, Umfang und Erbringung der nach dem Vertrag geschuldeten Leistungen, also den Verantwortungs- und Organisationsbereich des Veranstalters. Sie wird durch die Vereinbarungen, in der Regel die Reisebestätigung und Prospektangaben, vorgegeben. Eine Abweichung der Ist- von der Sollbeschaffenheit kann insbesondere darin liegen, dass die in Aussicht gestellten Leistungen ganz oder teilweise nicht oder nicht in der gebotenen Art und Weise erbracht werden. Dies gilt auch für den Fall, dass ein Schiff aufgrund eines Sturmes beschädigt wurde, repariert werden musste, und dadurch die Reise nicht wie geplant durchgeführt werden konnte, hier ergab sich eine Reisepreisminderung um 2/3 des Reisepreises, LG Bonn, Urt. v. 13.03.2009, Az: 10 O 17/09. Ein weitergehender Schadensersatz ist jedoch ausgeschlossen, da der Reiseveranstalter den Schadenseintritt nicht zu vertreten hat. Ein Fehler ist beispielsweise dann anzunehmen, wenn ein interessanter Zielpunkt einer Kreuzfahrt bzw. ein wesentlicher Programmteil einer Reise entfällt (BGH, Urteil v. 26.06.1980 – VII ZR 257/79 (OLG München) – NJW 1980, 2189; Palandt/ Sprau, BGB, 68. Aufl., 2009, § 651 c Rn. 3a). Ein Fehler liegt auch vor bei einer erheblichen Routenabweichung einer Trekking- oder Expeditionsreise gegenüber dem Prospekt (OLG Karlsruhe, Urteil v. 27.01.1984 – 10 U 7/83 – VersR 1985, 1073; Palandt/ Sprau, BGB, 68. Aufl., 2009, § 651 c Rn. 3a). Die Minderung des Reisepreises und der daraus entstandene Mangel muss grundsätzlich dem Verantwortungsbereich des Veranstalters entstammen. Erfasst werden hierbei grundsätzlich alle nicht in der Person des Reisenden liegenden Umstände, die die Gesamtreise oder Einzelleistungen stören, also Beeinträchtigungen der Reise durch vom Veranstalter beeinflussbare oder auch nicht beeinflussbare Risiken (Palandt/ Sprau, BGB, 68. Aufl., 2009, § 651 c Rn. 2). Insbesondere können selbst Mängel infolge höherer Gewalt erfasst sein, soweit sie sich auf die geschuldete Leistung unmittelbar auswirken (LG Kleve, Urteil v. 21.01.2000 – 6 S 305/99 – RRa 2000, 99, Palandt/ Sprau, 68. Aufl., 2009, § 651 c Rn. 2; Tempel NJW 1997, 621). Der Reiseveranstalter trägt grundsätzlich die Gefahr des Misslingens der Reise. Damit haftet der Reiseveranstalter nicht nur für Reisemängel, die auf einem Fehlverhalten seiner Angestellten und der Leistungsträger beruhen, sondern auch für situationsbedingte Beeinträchtigungen, die auf höhere Gewalt zurückgehen.

Selbst wenn das Reiseunternehmen eine Ersatzreise anbietet, kann diese nur eine Entschädigung ersetzen, wenn sie der ursprünglich gebuchten Reisekatagorie entspricht, LG Hamburg, Urt. v. 31.07.2007, Az: 310 O 26/07. Sollte bei einer Segelkreuzfahrt eine Abweichung von der Reiseroute auftreten, könnte sic bei einer einwöchigen Reise ein Anspruch auf eine Minderung von 50 % ergeben, OLG Celle, Urt. v. 26.09.2002, Az: 11 U 337/01. Auch hier liegt der Reisemangel darin, dass die Reise nicht wie geplant durchgeführt wurde. Hier bestand auch Anspruch für vertane Urlaubsfreuden für jeden Tag, an dem die Reise nicht wie angegeben stattfand. Stellt sich heraus, dass die Reise nicht den geplanten Verlauf nimmt, und der Reisende möchte vorzeitig heim reisen, kann er einen Schadensersatz nur verlangen, wenn er vorher bei der Reiseleitung ordnungsgemäß kündigt. Dies kann nur erfolgen, sofern ein ordentlicher Kündigungsgrund vorliegt. Für einen Anspruch auf Reiseabbruchskosten braucht es daher eine objektiv erhebliche Beeinträchtigung der gesamten Reise, die diese als solche entwertet.

Bei einer Kreuzfahrt ist für die Ermittlung der Minderungsquote für den Reisepreis eine Gesamtbetrachtung der Reise und ihrer Umstände erforderlich. Sie weist regelmäßig eine bestimmte Prägung auf, die nicht lediglich durch Fahrtroute und -dauer sowie die Ausstattung des Schiffes bestimmt wird, sondern wesentlich auch durch die touristischen Schwerpunkte, die sich aus den verschiedenen Häfen und den dort angebotenen Landgängen sowie gegebenenfalls besonders reizvollen Meeres- oder Küstenpassagen ergeben, die auf komfortable Weise und unter kundiger Führung zu sehen und zu erfahren die Kreuzfahrt möglich machen soll. Einzelne Teile des Reiseprograms könnte dabei ein verschiedenes Gewicht gewinnen(AG München, Urt. v. 01.04.2009, Az: 262 C 1373/09).


Reisemängel

Wer eine Kreuzfahrt unternimmt, freut sich meistens auch auf einen gewissen Grad an Erholung. Umso ärgerlich ist eine Beeinträchtigung der Reise durch Lärm oder andere Mängel. Dabei führt das bloße Vorhandensein einer Lärmquelle nicht unmittelbar zu Ansprüchen gegen den Reiseveranstalter.

Eine zentrale Klimaanlage an Board eines Schiffes durch die Karibik, welche zu einem permanenten Störgeräusch in der Kabine führt, kann aber zu einem Reisemangel und dadurch zu einem Anspruch auf Reisepreisminderung führen, OLG Koblenz, Urt. v. 13.06.2012, Az: 5 U 1501/11. Wenn sich in einer Kabine die Temperatur nicht einstellen lässt, und dadurch ein ständiges störendes Geräusch entsteht, führt dies zu einer Reisekostenminderung. Für diese Minderung muss jedoch mehrfach versucht werden, Abhilfe zu schaffen, etwa indem das Schiffspersonal herbeigeholt wird, oder falls möglich, die Kabine gewechselt wird. Ebenso ist darauf zu achten, dass im Reiseprospekt stehen kann, dass die Wahrnehmung von Motorengeräuschen an einigen Stellen auf dem Schiff unvermeidbar ist. Unter dem Begriff der „Motorengeräusche“ sind hier bei modernen Kreuzfahrtschiffen auch die für die Versorgung und den Komfort der Passagiere erforderlichen Anlagen zu verstehen, soweit diese mit Motoren betrieben werden. Hierunter fallen insbesondere auch Klima- und Lüftungsanlagen, die erwartungsgemäß insbesondere bei einer Karibikkreuzfahrt, das heißt bei subtropischen Temperaturen, möglicherweise rund um die Uhr laufen, um den Passagieren den gewünschten Komfort zu bieten vgl. LG Rostock, Urt. v. 15.11.2010, Az: 9 O 174/10.

Selbst wenn über die Möglichkeit dieser Geräusche nicht informiert wurde, muss man wissen, dass solche Geräusche, und auch andere Arbeiten am Schiff entstehen, und man mit diesen rechnen muss. Denn gerade ein "schwimmendes Hotel" verursacht Geräusche, die von ihrer Art und Herkunft von einem normalen Hotelbetrieb abweichen sowie unvermeidbar und zu erwarten sind. Hierzu gehören auch Transportbänder und Öffnungsvorrichtungen in der Bordwand.

Wenn allerdings der Lärm von einer Belüftungsmaschine kommt, die sich im Schiff befinden und wichtig für das Schiff ist, kann der Reisende sich nicht auf einen Reisemangel berufen. Auf einer Kreuzfahrt haben die Reisenden Lärmbelästigungen von Maschinen, die zum Betrieb des Kreuzfahrtschiffes unerlässlich sind, zu dulden, LG Rostock, Urt. v. 15.11.2010, Az: 9 O 174/10.

Wenn ein Passagier sich über Lärm in seiner Kabine wegen der darüber liegenden Bar beschwert, und daraufhin in eine andere Kabine verlegt wird, stehen ihm außer der Erstattung der Differenz des Kabinenpreises, und der Entschädigung für diesen Mangel kein weiterer Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude zu, AG Rostock, Urt. v. 12.03.2010, Az: 48 C 303/09.


Wenn ein Gast auf einem Kreuzfahrtschiff aufgrund von hohen Wellengang stürzt und sich verletzt, hat er keinen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld, weil diese Verletzung eine Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos darstellt, denn das Schanken des Schiffes bei Wellengang ist vollkommen normal. AG Rostock, Urt. v. 09.03.2012, Az: 47 C 406/11. Die Einhaltung von Verkehrssicherungspflichten bedeutet nicht, dass jeder Unfall auszuschließen ist, dies ist auch nicht erreichbar. Es muss daher nicht für alle denkbaren entfernten Möglichkeiten eine Vorsorge getroffen werden. Es genügen diejenigen Vorkehrungen, die nach den konkreten Umständen zur Beseitigung einer Gefahr erforderlich und zumutbar sind. Erforderlich sind dabei die Maßnahmen, die ein umsichtiger und vernünftiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um Gefahren von Dritten abzuwenden. Dabei ist der Dritte vor solchen Gefahren zu schützen, die er selbst bei Anwendung der von ihm in der konkreten Situation zu erwartenden Sorgfalt nicht oder nicht rechtzeitig erkennen oder vermeiden kann (Palandt/Sprau BGB 71. Auflage, § 823 Rn.51 m.w.N.). Hier besteht für das Schiff weder eine Verpflichtung, einen Haltegriff anzubringen noch die Kabine so zu konstruieren und bauen zu lassen, dass zwischen der Kabine und der Nasszelle keine Stufe bzw. Süllkante vorhanden ist. Die fehlende Verpflichtung folgt bereits daraus, wenn das Schiff sämtliche Klassifizierungsvorschriften einhält und entsprechende Kontrollen beanstandungslos bleiben. Darüber hinaus muss jedem Passagier, der ein Schiff betritt, klar sein, dass dieses schwanken kann. Das bedeutet noch nicht, das an jeder möglichen Stelle Haltegriffe vorhanden sein müssen.

Letztlich lassen auch die Licht- bzw. Sichtverhältnisse in der Kabine keine Feststellung eines Minderungsanspruches zu. Wenn nur eine Außenkabine gebucht wurde, ist der Reiseveranstalter seiner Pflicht auch damit nachgekommen, wenn nur eine Außenkabine mit einem kleinen Bullauge als Fenster bereitgestellt wurde, wenn diesbezüglich nichts anderes vereinbart wurde.


Links

Internationale Maritime Organisation

Siehe auch

Flug
AIDA Cruises
Ökotourismus

Urteile und Rechtsprechung

Urteil des Amtsgerichtes Rostock vom 10.09.2009 Erstattung Treibstoffzuschlag Kerosinzuschlag
Urteil des Amtsgerichtes München vom 14.01.2010 Reise Routenänderung bei Kreuzfahrt
Urteil des Amtsgerichtes Rostock vom 12.03.2010 Musik auf Kreuzfahrt / Schiffsreise 20% Minderung
Urteil des Landgerichtes Hamburg vom 31. 07. 2007 Mängel Kreuzfahrt Nordwest-Passage Anchorage
Urteil des Landgerichtes Rostock vom 27.06.2008 Preisangaben inkl. Kerosinzuschläge bei Kreuzfahrt
Urteil des Landgerichtes Rostock vom 03.07.2008 Selbstabhilfe bei verpasstem Anschlussflug Kreuzfahrt
Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 19.07.2017 Schadensersatz wegen vereitelter Kreuzfahrt
Urteil des Bundesgerichtshofs vom 12.03.1987 Schadensersatz wegen vorzeitiger Beendigung einer Kreuzfahrt
Urteil des Amtsgerichtes Wiesbaden vom 08.07.2014 Entschädigungsanspruch bei frühzeitiger Absage einer Kreuzfahrt
Urteil des Landgericht Frankfurt vom 08.08.2011 Sturzunfall im Außenbereich
Urteil des Amstgericht Rostock vom 22.02.2014 Sturzunfall im allgemeinen Lebesnrisiko
Urteil des Amtsgericht Rostock vom 03.11.2010 Verspäteter Flug zur Kreuzfahrt
Urteil des Landgericht Frankfurt vom 02.11.2006 Reisemangel durch Verpassen des Kreuzfahrtschiffes
Urteil des Amtsgericht Rostock vom 09.03.2012 Schiffsschwankungen sind kein Reisemangel
Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz vom 13.06.2012 Zentrale Klimaanlage als Reisemangel
Urteil des Amtsgericht Rostock vom 12.03.2010 Lärm als Reisemangel